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Konferenzbericht: 9. Tagung der DGA Nachwuchsgruppe (25.-27.01./Jena)

Konferenzbericht von Carolin Kautz, ASIEN 150-151, S. 124-125

Asien: Machtverschiebungen und soziale Strukturen – 9. Tagung der DGA-Nachwuchsgruppe
Die zweijährliche Tagung der Nachwuchsgruppe der DGA fand diesmal im Akademiehotel in Jena statt, wie immer unter der Leitung des SprecherInnenteams der Nachwuchsgruppe. Nach einleitenden Worten des SprecherInnenteams eröffneten Jari John und Felix Doege die Tagung mit dem ersten Panel zum Thema Wirtschaft, das von Prof. Doris Fischer kommentiert wurde. John präsentierte sein Dissertationsprojekt zum Thema „The persistence of illiberal orders in the ASEAN-4: What role for varieties of capitalism?“, worin er sich mit den Zusammenhängen zwischen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft in Staaten der ASEAN beschäftigt. Der Vortrag von Felix Doege ging auf die Regulierung von Kryptowährungen in Ostasien ein, wobei Doege sich vorranging den japanischen Fall ansehen möchte.

Das zweite Panel zum Thema Gesellschaft wurde von Dr. Katja Triplett und Prof. Edith Franke in Abwesenheit schriftlich kommentiert. Die erste Referentin Silke Hasper stellte ihre Arbeit zu Achtsamkeit in Japan vor, in der sie sich transkulturell mit dem Spannungsfeld der Narrative von asiatischen Ursprüngen und westlicher Adaption und der Rolle von Achtsamkeit darin beschäftigt. Die zweite Referentin Linda Knorr präsentierte ihr Projekt zu Wandel in Minangkabaus Adat vor allem in Bezug auf das Erbschaftssystem und die Auswirkungen auf die Stellung der Frau und der Wahrnehmung von Machtverschiebungen. Im Anschluss an das zweite Panel ließen die TeilnehmerInnen den Abend im gemütlichen Beisammensein im Hotel ausklingen.

Der zweite Konferenztag begann mit einem Panel zum Thema Umwelt, Energie, Klimawandel, kommentiert von Doris Fischer. Sona Apbasova stellte ihre Arbeit zum Thema „The curse of Central Asia: Environmental and human security“ in Uzbekistan vor, in der sie vor allem zu nichttraditionellen Sicherheitsfragen, speziell Wasser, rund um den Aralsee in Usbekistan und Nachbarstaaten arbeitet. Der zweite Vortrag von Diana Schnelle beschäftigte sich mit der Liberalisierung der japanischen Stromversorgungswirtschaft und ihren Stakeholdern, Motiven und Mechanismen im Spannungsfeld der Sicherstellung nachhaltiger Energieversorgung. Das folgende Panel, das zum selben Thema stattfand und ebenfalls von Doris Fischer kommentiert wurde, bestand nach dem kurzfristigen Ausfall einer Referentin nur aus einem Vortrag, der sich mit Zivilgesellschaft unter Xi Jinping beschäftigte. Anna Caspari diskutierte die Frage nach dem Ende des konsultativen Autoritarismus und einem Crackdown der Zivilgesellschaft und deren zunehmender Reduzierung auf die Rolle eines Dienstleisters.

Der Nachmittag des zweiten Konferenztages stand dann im Zeichen von Diplomatie und internationalen Beziehungen mit zwei Panels zu diesem Thema, die von Prof. Anja Jetschke kommentiert wurden. Als erste Referentin stellte Isabelle Jukas ihre Arbeit zu internationalen Beziehungen Nordkoreas vor, die von dem Ansatz ausgeht, Nordkorea nicht alleinig als festen Teil des sowjetischen Blocks zu betrachten, sondern den Aufbau von Beziehungen mit Staaten des global south stärker in den Fokus zu nehmen. Im Folgenden stellte Samuel Schlichting seine Arbeit zu Chinas One Belt One Road Initiative vor, innerhalb derer er mithilfe des Ansatzes von struktureller Macht die One Belt One Road Initiative als Infrastrukturinitiative analysiert, die China den Ausbau struktureller Macht in diesem Feld erlaubt. Der dritte Vortrag des ersten Panels zu internationalen Beziehungen von Peter Kesselburg beschäftigte sich mit Diplomatie und Paradiplomatie anhand der Wirtschafts- und Kulturbeziehungen zwischen Südchina und Nordvietnam. Im zweiten Panel zu Diplomatie und internationalen Beziehungen stellte zunächst Anja Ketels ihre Arbeit zu „NGO involvement in China’s global governance“ vor. Basierend auf dem Problem, dass NGOs bislang keinen eigenen Platz in den Theorien der internationalen Beziehungen haben, beschäftigte sie sich mit der Art, wie Diskurse zu global governance im Zusammenhang mit NGOs Wissen formen und neue Realitäten entstehen lassen. Der zweite Vortrag von Andreas Lehrfeld warf die Problematik der Legitimierung des Einsatzes von Gewalt im internationalen Recht auf. Lehrfeld beschäftigte sich mit der chinesischen Position zu dieser Frage anhand des Fallbeispiels von Taiwan unter Berücksichtigung der Frage der Staatlichkeit Taiwans. Den Abend des zweiten Konferenztages verbrachten die KonferenzteilnehmerInnen gemeinsam im Jenaer Theatercafé.

Der letzte Konferenztag bestand aus zwei Panels zum Thema Politik, die beide von Prof. Elena Meyer-Clement kommentiert wurden. Auch hier war ein Referent kurzfristig ausgefallen, und der erste Vortrag von Carolin Kautz beschäftigte sich mit dem Thema „Parteidisziplin und Ausübung von Macht in der Kommunistischen Partei Chinas“. Der zweite Vortrag von Ilker Gündogan hatte die Fußballpolitik Xi Jinpings zum Thema und gewährte einen Einblick in die chinesische Fankultur und die Wahrnehmung von zentralstaatlich vorangetriebenen Reformen im chinesischen Fußball. Im letzten Panel der Konferenz stellte zunächst UnHye Joe ihre Arbeit zu nordasiatischen Souveränitätsproblemen im 21. Jahrhundert vor, die sich mit Souveränität vor allem aus einer rechtswissenschaftlichen Perspektive beschäftigte. Der letzte Vortrag von Cai Zhipeng hatte einen historischen Ansatz und analysierte die konzeptionelle Geschichte von Faschismus im republikanischen China unter dem Aspekt der Lokalisierung des Faschismus.

Als letztes Element des offiziellen Teils der Tagung wurde das SprecherInnenteam der Nachwuchsgruppe neu gewählt; es besteht nun aus Sophie Veauthier, Anna Caspari, Silke Hasper und Anja Ketels.

Nach einer intensiven und inhaltsreichen Konferenz ließen die TeilnehmerInnen im Anschluss die Veranstaltung bei einem gemeinsamen Mittagessen ausklingen. Alles in allem bestand die Tagung der Nachwuchsgruppe aus vielen spannenden Beiträgen, die von den KommentatorInnen detailliert besprochen und im Anschluss umfangreich diskutiert wurden. Herzlichen Dank an die KommentatorInnen und das SprecherInnenteam der Nachwuchsgruppe für eine gelungene Konferenz!

Carolin Kautz

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