NWG

NWG-Workshop 2007


Konferenzbericht von Björn Alpermann und Stephan Engelkamp, ASIEN 106 (S. 81–82)

Seit ihrer Gründung im Juni 2005 organisiert die DGA-Nachwuchsgruppe regelmäßig Tagungen, die jungen Asienwissenschaftlern als Forum dienen, um sich über laufende Studien- und Forschungsvorhaben auszutauschen. Die dritte Nachwuchstagung ist für Januar 2008 in Freiburg geplant. Während auf diesen Konferenzen der inhaltliche Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg im Vordergrund steht, zeigte sich auch, dass der Diskussionsbedarf über methodische Fragen sehr hoch ist. Daher wurde auf der letzten Nachwuchstagung beschlossen, neben den regelmäßigen Konferenzen auch kleinere Workshops auszurichten, in denen sich Nachwuchswissenschaftler intensiver mit diesen Aspekten auseinandersetzen können. Eines dieser Brennpunktthemen ist der Bereich der Feldforschung in Asien. Obwohl empirische Studien unter Abschlussarbeiten und Dissertationen in den Asienfächern immer üblicher werden, fehlt es gerade in den kleineren Fächern häufig an fachgerechter Betreuung und Austauschmöglichkeiten über die Besonderheiten der Feldforschung in Asien. Hier setzte der im November in Köln abgehaltene Workshop an. Unter den 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war dabei von der Magisterarbeit bis zur Habilitation jede Qualifizierungsphase vertreten. Die Tagung begann mit einer inhaltlichen Vorstellung der Forschungsvorhaben in einer Postersession. In der Themenvielfalt – von Liebesvorstellungen unter Javanern bis zur japanischen Sicherheitspolitik – spiegelte sich die Breite der in der DGA vertretenen Fächer wider. Allen Teilnehmern war aber gemeinsam, dass sie sich mit praktischen Fragen der Organisation und Finanzierung auseinanderzusetzen haben, die in einem ersten Themenblock besprochen wurden. Im Anschluss gab Thomas Scharping (Köln) als Spezialist für quantitative Methoden einen überblick über die Erhebungsforschung in China. Ausgehend vom Leitbild der Repräsentativität verdeutlichte Scharping die Vielzahl der praktischen Schwierigkeiten, auf die der Forscher in seinem Untersuchungsfeld stoßen kann. Dabei unterstrich er die gegenseitige Durchdringung und Ergänzung von qualitativen und quantitativen Methoden. Felix Brenke (Münster) stellte eine neue Online-Plattform zur Vernetzung separat arbeitender Feldforscher vor, wie sie an der Graduate School of Politics Münster zum Einsatz kommt. Einen intensiven Einblick in das Thema Experteninterviews bot die Präsentation von Dominique Schirmer (Freiburg), in der sowohl theoretische und konzeptionelle Grundlagen qualitativer Sozialforschung als auch praktische übungen zur Geltung kamen. Ethnologische Methoden stellte Corinne Flacke-Neudorfer (Bonn) vor, wobei die Palette von der klassischen teilnehmenden Beobachtung bis zu neueren, partizipativen Ansätzen reichte. Die Referentin sprach in ihrer Präsentation auch ethische Fragen an, die sich dem Forscher im Feld stellen, etwa wenn es um die begrenzte Generalisierbarkeit der eigenen Forschungsergebnisse oder aber um den Umgang mit den Interviewten geht. Flacke-Neudorfer verwies hierzu auf die „Ethischen Leitlinien“, die von der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsethnologie (AGEE) entworfen wurden. Diese Referate profitierten enorm davon, dass die Vortragenden immer wieder ihre Erfahrungen aus eigener Forschungspraxis in Asien einbringen konnten, so dass ein lebhaftes Bild der vielfältigen Möglichkeiten (und Probleme) entstand. Abschließend wurde der Umgang mit den Daten besprochen. Neben der Erfassung, Auswertung und Interpretation von Daten wurden auch Fragen wie die Vertraulichkeit und Verwendbarkeit von Daten diskutiert. Mit diesem Workshop konnte ein überblick über verschiedene Vorgehensweisen bei empirischen Studien vermittelt werden. Es ist zu hoffen, dass weitere Veranstaltungen dieser Art folgen werden, in denen der Erfahrungsaustausch fortgesetzt und intensiviert wird, um dem zum Teil in den Asienwissenschaften vorherrschenden Mangel an Methodenkenntnissen zu begegnen.

Björn Alpermann und Stephan Engelkamp

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